Gute oder schlechte Siedlungsdichte

Johann Bröthaler ist Leiter des Fachbereichs Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik im Department für Raumplanung der TU Wien. Im Rahmen der “Rheintalgespräche” äußerte er sich über heikle Punkte im Zusammenhang mit Siedlungsdichte.

Vision Rheintal: Gibt es für Sie eine “gute” und eine “schlechte” Dichte in Bezug auf die Flächenausnutzung?

Ass.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johann Bröthaler: In Bezug auf Steuereinnahmen wird eine gute bzw. schlechte Dichte relativ eng durch Einwohnerzahl und Arbeitsplätze (Lohnsumme) bestimmt. Infrastrukturausgaben hängen demgegenüber stark von der erforderlich netzgebundenen Infrastruktur und von örtlichen Gegebenheiten ab. Eine Beurteilung hängt aber klarerweise von zahlreichen weiteren Kriterien ab, etwa Wohn- und Freiraumqualität, Verträglichkeit mit Bestand, rechtlichen Rahmenbedingungen oder funktionaler und sozialer Durchmischung.

VR: Welche drei Erkenntnisse haben Sie den Zuhörenden in Ihrem Vortrag vermitteln können?

JB: Dreierlei: Siedlungsentwicklung ist nicht kostenlos, Folgekosten sind eine unterschätzte Determinante und Innenentwicklung ist günstiger als Außenentwicklung! Die längerfristigen Wirkungen auf Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde sind bereits in frühen Phasen der strategischen Entwicklung oder operationalen Planung, zudem möglichst umfassend unter Einbeziehung von Finanzausgleichseffekten zu berücksichtigen. Laufende Ausgaben zu Betrieb und Erneuerung der Infrastruktur bzw. für zusätzliche Bedarfe an öffentlichen Dienstleistungen sind bedeutender als die häufig im Fokus stehenden einmaligen Errichtungsausgaben. Eine fiskalisch “optimale” oder “verträgliche” Dichte ist allerdings nicht nur im Kontext eines Einzelprojekts, sondern vor allem im Hinblick auf das Gesamtgefüge der Siedlungsentwicklung zu beurteilen und stark von bestehenden umgebenden Einrichtungen und deren Kapazitäten abhängig.

VR: Was assoziieren Sie als Ökonom mit dem Begriff “Dichte”?

JB: “Dichte” ist eng mit Fragen der “fiskalischen Effizienz” der Siedlungsentwicklung verbunden: Effiziente Nutzung bestehender Infrastrukturkapazitäten, Nutzung kostenentlastender Skalenerträge, fiskalische Äquivalenz, räumliche Kongruenz oder vereinfacht geringere Ausgaben und höhere Einnahmen bei gleicher Fläche und gerechter Lastenaufteilung. Finanzwirtschaftliche Ziele sind allerdings nur eine Dimension, die mit vielfältigen Ansprüchen und Erwartungen aus unterschiedlichen Perspektiven in Einklang zu bringen sind.

Das Interview wurde “Vision Rheintal” gegeben, einem EU-geförderten Regionalentwicklungsprojekt des Landes Vorarlberg gemeinsam mit 29 Vorarlberger Rheintalgemeinden. Mehr zum Thema auf: vision-rheintal.at

© Fotocredit: vision rheintal