Städte aus dem Labor

Die Zeiten, wo den Menschen beim Begriff Smart City nichts eingefallen ist und ein hohler Stadtmarketing-Begriff im Raum stand, sind vorbei. Begonnen hat es im Stadtverkehr mit den Apps, die Fahrpläne elektronisch in Echtzeit darstellen und die mittlerweile auch die Verkehrsmittelwahl kalkulieren. Seit der Einführung der universell einsetzbaren Mobilitätskarte ist die Transportmittelwahl in Österreichs Hauptstadt keine sture Angelegenheit mehr. Fahrschein und Parkschein elektronisch zu kaufen, ist für viele bereits Alltag und damit ist die smarte Stadt alltagstauglich geworden. Auf dem Weg zur Umsetzung auf städtischem Niveau braucht es durchschlagende Initiativen.

 

Politisches Stadtgebilde

Die Wiener Umweltlandesrätin Ulli Sima betont die Bedeutung öffentlicher Betriebe beim Einsatz nachhaltiger Technologie: „Es geht auch um einen Beitrag der Stadt, dass sich der Markt rasch weiter entwickelt“. In der Seestadt Aspern wie auch in anderen prototypischen Smart Cities erfolgte eine simulierte Planung sowie ein Betrieb mit Monitoring. Mit dem ASCR ist ein Labor vor Ort, das in Kooperation mit Siemens betrieben wird, ebenso wie in Graz mit dem Science Tower. In Salzburg Gnigl wiederum werden die Prozesse von AIT (Austrian Institute of Technology) und SIR (Salzburger Institut für Raumordnung) begleitet. Im Nachbarland Schweiz ist auf dem Suurstoffi-Areal im Kanton Zug eine durchmischte, autarke Siedlung gebaut worden, die über die Hochschule Luzern analysiert wird. In der Stuttgarter Weissenhofsiedlung wiederum wird ein futuristischer Prototyp zur Probe bewohnt. Der stellt sich smart auf seine Bewohner ein und liefert per „Smart Grid“ dem Besucherzentrum auch Energie. „Nur Gebäude im Verbund können wirklich energieautark sein“, zieht Chefentwickler Architekt Adalbert Knapp die Schlüsse. In den USA wird derzeit in eine für 35.000 Einwohner dimensionierte, nicht bewohnte Stadt namens „Cite“ investiert, die alleine der Testung von digitalen Prozessen und ihrer Implementierung dienen wird. 300 Wissenschafter sollen damit praxisnah ihre Schlüsse ziehen können.

 

Smart ja, aber wozu?

Open Innovation-Prozesse und Start Ups sind weitere Teile einer heutigen digitalen unternehmerischen Kultur und beides wird mittlerweile als Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung auch ernst genommen. Eingesessene Wirtschaftskräfte wollen von jungem Pioniergeist profitieren und wenden sich bei Bedarf Kreativen zu. Allzu hedonistische Ansätze haben aber kaum eine Chance auf Realisierung und ein funktionierendes Geschäftsmodell wird immer abgefragt. Für alles andere haben kapitalstarke Industrielle wie Georg Kapsch, einer der Väter der Informationstechnologie hierzulande, wenig Verständnis: „Wenn etwas nicht den Wirtschaftsstandort stärkt, macht es überhaupt keinen Sinn eine smarte City anzudenken“. Dem gegenüber stehen Erfahrungen mit vergangenen technologischen Errungenschaften, die sich bald wieder überlebt haben und mit dem Klimawandel dem Standort leider nicht nur der Nutzen geblieben ist. (RED)

 

Bild:

Das Suurstoffi Areal in der Schweizer Ort Risch Rotkreuz ist ein Quartier mit vernetzter Energiespeicherung- und -nutzung

Suurstoffi Kopie
Fotos: DREES & SOMMER  und  Zug Estates Holding AG